Red Devils – ein Altersruhesitz für Baseball Veteranen (und solche, die es noch werden wollen)?

01.Apr. 2025 | 2025, Alle

Die Alt-Weitraer Baseballer finden regen Zuspruch in der "Oldie- Baseballaustria Community" - wir gehen den Hintergründen auf die Spur

Anfang April, irgendwo in der Landesliga Ost: Während andere Teams sich mit intensiven Trainingseinheiten auf die Saison vorbereiten, wird bei den Red Devils schon früh auf das Wesentliche fokussiert: Bier kaltstellen, Grill anheizen und die Sehnenscheiden-Schoner bereitlegen. Denn die Red Devils sind nicht nur ein Baseball-Team, sondern vielmehr eine Institution für (alternde) Baseballer, die den Leistungsgedanken größtenteils gegen pure Spiel- & Bierfreude eingetauscht haben.

Ein Team für die, die schon alles gesehen haben

Man könnte die Red Devils auch als das „Gut Aiderbichl“ der Landesliga bezeichnen – nicht für ausgemusterte Tiere, sondern für ehemalige Baseballhelden, deren beste Zeiten zwar vorbei sind, die aber den Handschuh noch nicht an den Nagel hängen wollen. Anstatt sich mit Nachwuchstalenten herumzuschlagen, die nicht wissen, wer Babe Ruth oder Patrick Mattes war, nehmen die Devils all jene auf, der mindestens eine gewisse Anzahl an grauen Haaren oder eine aktenkundige Sportverletzung vorweisen können.

Das „Charly Brown Prinzip“ – Verlieren mit Stil

Taktisch folgen die Devils der uralten Baseball-Weisheit: „Mit zwei Siegen sind wir zufrieden, Hauptsache ein Bierchen.“ Dieses Prinzip, liebevoll das „Charly Brown Prinzip“ genannt, basiert auf der Philosophie, dass Baseball zwar ein Spiel ist, aber vor allem eine Gelegenheit, mit alten Freunden eine gute Zeit zu verbringen. Wer die Devils bespielt, weiß: Hier geht es weniger um Statistik-Analysen als um den korrekten Schwung beim Anstoßen. Wie sagte der weise Centerfielder Lukas S. schon so schön: „Statistiken, Statistiken, i pfeiff auf die Statistiken.“

Warum wechseln immer mehr Spieler zu den Devils?

Der Transfermarkt der Landesliga Ost sieht eigenartig aus: Während Top-Talente in die Bundesliga streben, landen viele gestandene Spieler bei den Red Devils. „Hier gibt es keine anstrengenden Sprint-Drills mehr, außer nach dem Spiel um der erste beim Griller zu sein“, sagt ein Neuzugang, während er genüsslich eine Bratwurst von Grillmeister Helmi verspeist. „Und man wird auch nicht schief angesehen, wenn man nach dem ersten Inning schon um ein Cola-Rum bittet.“

Sich auch der Jugend nicht verschließen – Brawlstars und Co. nicht ignorieren

Doch man sollte den Waldviertlern nicht vorwerfen, sich besonderen Herausforderung nicht ebenfalls zu stellen: Im vergangenen Jahr nahm man sich eines besonderen Projektes an: „Wir durften 2024 3 Jugendspieler der Schremser Beers bei uns begrüßen, das war schon eine tolle Sache. Mit ihren 19 Jahren drückten sie den Altersschnitt der Devils erheblich und verlangen von den alteingesessenen Mitspielern einiges an Anpassung und Flexibilität. Am Anfang war es durchaus herausfordernd, die aufstrebenden Jung-Beers in unser Middle-Aged White Men Team zu integrieren. Wir mussten ihnen langsam begreiflich machen, dass Professionalität und perfekte Organisation am Hells Gate etwas anders aussehen.“ meint Manager Alexander Wiesinger.
„Weiters wurden wir mit Begriffen wie Tik Tok, Brawlstars, Fortnite und Influencern konfrontiert, teilweise haben mir Alta Vista und der Netscape Navigaor dazu im Internet gar keine Informationen geliefert.“ Führt Rainer Fuchs weiter aus. „Es bereitet uns aber ideal auf die kommenden Saisonen vor, wo unsere Eigenbau-Jugendspieler wie Daniel Fuchs oder Paul Schrenk zum Team stoßen werden. Diesbezüglich habe ich auch schon einen Duolingo Kurs in „Up to date sein“ belegt, damit wir dann gut und adäquat auf unsere jugendlichen ‚Player‘ reagieren können. Dass eine Geschichte vom ersten Sieg gegen die Beers 2, als Crazy Schrenk ein Feuerzeug explodieren ließ, nicht für lautes Gelächter und ‚Des worn hoit no Zeitn‘ Kommentare sondern für befremdete Blicke und „Voll cringe, alter Mann“ sorgte, daran musste ich mich erst gewöhnen. Nun erzähle ich nur mehr Anekdoten aus den 20er Jahren, um nach den Matches die jungen Wilden zu unterhalten, während sie eine zuckerarme Limonade trinken. Auch mit über 40 lernt man ja noch dazu.“ schmunzelt der Präsident.

Fazit: Mehr als nur ein Baseball-Team

Die Red Devils haben verstanden, dass es im Leben um mehr geht als Siege und Pokale: Nämlich um Gemeinschaft, Spaß und eine gute Zeit auf und neben dem Spielfeld. Sie sind das perfekte Team für alle, die Baseball lieben, aber den Druck hinter sich lassen wollen. Und wenn es doch mal einen Sieg gibt? Dann wird gefeiert – mindestens so ausgelassen wie nach einer Niederlage.

Diese Philosophie hat sich in den vergangenen 25 Jahren bewährt, der Erfolg gibt den Devils Recht. So dürfen sie in diesem Jahr 7 Leihspieler bei sich begrüßen, mehr als 45% aller Leihspieler der Landesliga Ost. „Die Lebensqualität ist einfach eine andere. In meinem alten Team waren wir auf Erfolg getrimmt, ordneten einer Perfect Season alles unter. Sogar Nahrungsergänzungsmittel wie Hopfen-Tox haben wir schachtelweise konsumiert, um immer am Zenit unserer Leistungsfähigkeit zu sein. Bei den Red Devils hat sich dann einiges geändert, meine Work-Life-Baseball Balance hat sich zum Besten entwickelt.“ meint ein promovierter Arzneimittelhersteller aus Zwettl, der anonym bleiben möchte. „Hier fehlen Druck, Streß und Verantwortung, ich habe sogar gehört, dass früher nach Spielen einmal ein sechstes Bier hinter einem Baum getrunken wurde. Derartige Exzesse waren mir völlig fremd. Bei den Roten Teufeln wird man aber, selbst wenn man nur mit einer Flex, einem Rapid-Trikot und einer regenbogenfarbenen Jamaika-Mütze zum Spieltag anreist, vom Team mit offenen Armen empfangen.“
Also: Wer die Landesliga Ost nicht nur zum Spielen, sondern auch zum Genießen sucht, ist bei den Red Devils genau richtig. Hier gilt: Home Runs sind schön, aber ein kühles Bier nach dem Spiel ist unbezahlbar.

1 Kommentar

  1. Thomas Rzepa

    Kann euch nur zustimmen:)

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